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  • Dattelchutney

Darf eine Ayurveda-Frau krank werden?

Aktualisiert: 21. Dez. 2022


Ein Freitagabend im Februar um 22 Uhr: Plötzlich rasende Schmerzen im rechten Oberbauch, in Wellen, kommen und gehen, kommen und gehen. Ich krümme mich auf dem roten Teppich unseres Wohnzimmers vor Schmerzen. Dann Übelkeit, Erbrechen und um 23.30 Uhr immer noch keine Besserung. Notarzt, Krankenwagen, Notaufnahme. Verdacht auf Lebensmittelvergiftung.


Im Nachhinein weiß ich, das war keine Lebensmittelvergiftung, sondern die erste Kolik meiner Galle, die in diesem Jahr beschlossen hatte, sich mehrfach zu melden. Dabei hatte das Jahr so gut angefangen. Mit meiner Ausbildung zur Ayurveda Ernährungs- und Gesundheitsberaterin und Ayurveda-Köchin hatte ich eine Punktlandung in Sachen Jahresplanung hingelegt. Aber da wusste ich noch nicht, dass ich 17 Gallensteine mit mir rumtrug. Steine, die mich wahrscheinlich schon lange begleiteten und die mir zum ersten Mal in diesem Jahr Beschwerden machten.


Aus ayurvedischer Sicht steht die Galle für zu viel Pitta, also zu viel Feuer, zu viel Hitze, kein Wunder das dann im späten, heißen Sommer im August nicht nur die Galle sich erneut meldete, sondern auch noch eine hartnäckige Stimmbandentzündung dazu kam. Pitta-Entzündungen par Exzellence und so geschah es wieder an einem Freitagabend, die gleichen Schmerzen, die gleiche Notaufnahme, das gleiche Krankenhaus. Nur dieses Mal konnte ich neben den Schmerzen auch nicht sprechen.


Ich weiß noch, dass in den ersten Tagen am Antibiose-Tropf meine Gedanken immer darum kreisten, eine Ayurveda-Frau wird nicht krank, wie soll ich das erklären, ich ernähre mich doch richtig und jetzt soll ich eine entzündete Gallenblase haben. Was mache ich mit meinem Instagram Account, wie gehe ich damit um? Bescheuert oder? Als ob das zu diesem Zeitpunkt wirklich wichtig gewesen wäre. Mittlerweile weiß ich von einigen Kolleginnen, dass sie genau die gleichen Zweifel plagen, wenn sie ernsthaft erkranken und dann auch nicht wissen, wie sie damit nach außen umgehen sollen. Denn das ist doch kein gutes Aushängeschild für einen Ayurveda-Therapeuten, wenn er oder sie selbst erkrankt, oder? Beginnt doch unsere Marketing-Heldenreise immer nach dem gleichen Muster. Eine schwere Erkrankung, Lösungssuche, Ayurveda entdeckt, der Heilige Gral zum erstrebten, glücklichen, gesunden, happy Lifestyle ist gefunden… So war es ja auch bei mir vor 15 Jahren als ich die Diagnose allergisches Bronchialasthma bekam und auf der Suche nach einer passenden Ernährung auf den Ayurveda gekommen bin. Seitdem bin ich – zumindest bei diesem Gesundheitsthema - zu 99% frei von Beschwerden. Aber jetzt, so als geprüfte Ayurveda Ernährungs- und Gesundheitsberaterin, da wird man doch nicht krank, und wenn, darf ich das dann sagen, oder nicht? Verlieren meine KlientInnen dann das Vertrauen in mich?


Aufgrund meiner Stimmbandentzündung konnte ich nicht operiert werden, sondern die Entzündungen mussten erstmal mit Antibiotika und Kortison ausheilen. Operationstermin sollte dann im Winter sein. Ok, soweit so gut, Zeit zum Nachdenken über dieses Thema, ob eine Ayurveda Ausbildung unsterblich macht oder nicht und Zeit zum Verabschieden von der Galle.


Zum geplanten Operationstermin kam es dann gar nicht mehr. Meine Galle wollte schon früher gehen und machte sich mit einer dritten beginnenden Kolik charmant in der Adventszeit bemerkbar. Diesmal war die Tasche für das Krankenhaus schon fix und fertig gepackt, die Notaufnahme kannte ich auch schon und das Team auf der Station freute sich, mich wiederzusehen, zumal wir uns jetzt auch unterhalten konnten. Alles verlief gut, ich bin der Schulmedizin und den versierten Ärzten unglaublich dankbar.



Jetzt lebe ich mit einer Gallenblase weniger, wohl aber nach vielen Gesprächen mit anderen Ayurveda-Frauen um eine Erkenntnis reicher. Ayurveda-Frauen dürfen sehr wohl krank werden, zwar macht eine Ayurveda-Ausbildung nicht unsterblich, aber der Ayurveda kann helfen mit einer Erkrankung besser zurecht zu kommen.

Durch mein Wissen aus dem Ayurveda konnte ich so viel besser verstehen, was mein Körper jetzt braucht und was nicht. Die Ayurveda-Frau darf also nicht nur krank werden, sie darf auch darüber offen sprechen und vor allen Dingen darf sie wieder gesunden.


Und wenn Du diese Gedanken kennst, oder wie auch immer, ich freue mich über Deinen Kommentar und Deine Meinung dazu.

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